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Zeitbasierte Medien – Hochschule Mainz

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Projekt · 5. Semester

Cante Alentejano

Zusammen mit einigen Komilitoninnen und unter der Leitung von Prof. Dr. Paulo Ferreira-Lopes und Prof. Hartmut Jahn waren wir zwischen dem 23. und 30. September im Baixo Alentejo in Portugal. Dabei setzten wir uns mit dem sogenannten "Cante Alentejano" auseinander. Die Lieder bestehen dabei kompositorisch meist aus zwei Teilen, einer Art Strophe die im Regelfall von einem Solisten alleine vorgesungen wird. Eine zweite Stimme leitet diese meistens mit kurzem Auftakt in den Choral über. Diesen singen alle beteiligten gemeinsam. Die Melodie ist einstimmig, das heißt eine Aufteilung in verschiedene Tonlagen erfolgt nicht. Dabei singen allerdings alle Sänger in der Tonlage, die für sie am bequemsten ist. Somit entsteht eine Mikro- und Polytonale auffächerung der Gesangsmelodie, die einzelnen Stimmen sind zueinander oft dissonant, verschmelzen aber durch die gemeinsame harmonische Bewegung. Inhaltlich handeln die Lieder sowohl von persönlichen als auch strukturellen und gesellschaftlichen Themen. Visuell wird der Eindruck des spontanen Zusammentreffens nach der Arbeit erweckt.

Der zweite Chor in unserer Liste aus der Kleinstadt Cuba zeigt schon eine Weiterentwicklung des Gesangs. Nicht nur treten die Sänger in einheitlicher Gruppentracht auf, auch trägt die Gruppe mit "Ceifeiros de Cuba" (in etwa Sensenmänner von Cuba) einen Eigennamen der sich vom normalerweise üblichen "Grupo Coral" abhebt. Der Gesangsstil des Chors wirkt wesentlich weniger funktional. Töne werden zum Teil länger gehalten, es tauchen deutlichere Rhythmische Strukturen aus unterschiedlichen Notenwerten auf und über den Verlauf des Stücks lässt sich eine gewisse Dramaturgie wahrnehmen. Im Verlauf unserer gesamten Aufnahme wurde fast jede Strophe von einem anderen Sänger aufgeführt.

Der dritte und jüngste Chor, den wir auf unserer Reise aufnehmen durften, kommt aus Vidigueira, einer Kleinstadt unweit von Cuba. Im Gegensatz zu den anderen beiden Chören war die Tradition des Cante Alentejano in diesem Ort zwischenzeitlich beinahe ausgestorben. Erst mit der Erklärung zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO vor einigen Jahren entwickelte die jüngere Bevölkerung wieder ein Interesse dafür. So lässt sich an diesem Beispiel untersuchen, was im Verlauf einer Generation verloren gehen kann. Der konstante Rhythmus des Liedes ist noch deutlich spürbar, allerdings entstehen schon immer häufiger einzelne Stimmen die sich sanft voneinander abheben.