Das virtuelle Theater
Die Marionetten von Sophie Taeuber-Arp
„Tänzer ist jeder Künstler, mancher Denker und Träumer und in seinem unerkannten Grundwesen jeder Mensch.“
Rudolf von Laban, Tanzlehrer Sophie Taeuber-Arps
Eine interaktive Installation der Hochschule Mainz
Bewegung spielte im vielseitigen Schaffen von Sophie Taeuber-Arp eine wichtige Rolle. Bei der Gestaltung der Marionetten für das Stück „König Hirsch“ (1918) hatten sicher auch ihre Erfahrungen als Ausdruckstänzerin großen Einfluss. Gerade dieser Aspekt lässt sich in einer klassischen Vitrinenausstellung der Marionetten jedoch nur schwer abbilden. Hier setzt das Projekt „virtuelles Theater“ an: Die Puppen werden digital zum Leben erweckt. Besucher*innen werden zu Performer*innen, die mit ihren Bewegungen die Marionetten tanzen lassen. Jede Puppe reagiert einzigartig, lädt zum Experimentieren ein und verwandelt die Ausstellungsfläche in eine lebendige Bühne. Es entsteht ein neuer, spielerischer Zugang zu Sophie Taeuber-Arps Kunstwerken. Damit rückt deren ursprünglicher Zweck – Bewegung und Spiel auf der Bühne – wieder ins Zentrum.
Durch die originalgetreue digitale Umsetzung lassen sich alle Facetten der Marionetten – Gestaltung, Spiel und Bewegung – erleben.
König Hirsch – Sophie Taeubers Marionetten
Das Stück König Hirsch, im 18. Jahrhundert von Carlo Gozzi geschrieben, wurde 1918 im Rahmen der Schweizer Werkbundausstellung als Marionettentheater neu adaptiert. René Morax und Werner Wolff überarbeiteten das tragikomische Bühnenstück und fügten ihm, ganz im dadaistischen Sinne, eine parodistische Ebene hinzu. Die Differenzen zwischen Sigmund Freud und Carl Gustav Jung im Hinblick auf die Libido stehen dabei besonders im Zentrum. So wird aus dem Zauberer Durandarte in der Bearbeitung Freud Analytikus, welcher von seinem Assistent Doktor Oedipus Komplex Unterstützung erhält. Zaubersprüche, um Menschen in Tiere zu verwandeln, werden durch die Kraft der „Urlibido“ ersetzt.
Sophie Taeuber schuf die 17 Marionetten sowie die Bühnenbilder für das neu adaptierte Stück König Hirsch. Carl Fischer drechselte die Körperteile nach Vorgaben von Sophie Taeuber. Sie bemalte die Marionetten anschließend und fügte sparsam Details aus Stoff, Blech, Federn oder Perlen an, um die Charaktere der Marionetten herauszuarbeiten. Sophie Taeubers Vorliebe für das Elementare wird auch in der Gestaltung der Bühnenbilder und der Marionetten deutlich. Die Figuren sind auf das Wesentliche abstrahiert.

Sophie Taeuber und Hans Arp vor Taeubers Marionetten, Zürich 1918 (Fotograf: Ernst Linck)
Wie es funktioniert
Die digitalen Marionetten wurde nach fotografischen Vorlagen der Originalfiguren in 3D-Softwares nachgebaut und mit einem virtuellen Skelett (Rig) versehen. Ein Motion-Capture System überträgt in Echtzeit die Bewegungen der marionettenspielenden Zuschauer*innen auf die digitalen Zwillinge, die dann auf der großen Bühnenwand in Aktion treten.
Wo gibt es die Installation zu sehen
Die erste Version der Installation kann voraussichtlich noch bis 2028 als Teil der Dauerausstellung Kosmos Arp im Arp Museum Bahnhof Rolandseck ausprobiert werden. Die zweite Version ist vom 29. August 2025 bis Mitte Februar 2026 im Museum für Gestaltung in Zürich als Teil der Ausstellung Museum of the Future – 17 digitale Experimente zu erleben.
Projektteam
Konzeption & Entwicklung:
Florian Kluck-Ceyhan
3D Artists:
Florian Alliger, Hakan Akögretmen
Technische Leitung:
Nils Weger, Kristof Korwisi
Idee, Konzeption, Projektleitung:
Prof. Olaf Hirschberg